• erstellt 09.03.2004
  • aktualisiert 07.07.2009

Texte zur Beerdigung

Der Tod bedeutet nichts. Er zählt nicht. Ich bin nur nach nebenan gegangen. Nichts ist geschehen. Alles bleibt, wie es war.Ich bin ich und ihr seid ihr, und das alte Leben, das wir in so herzlicher Gemeinsamkeit geführt haben, ist davon unberührt und bleibt unverändert.

Wir sind füreinander nach wie vor, was wir immer waren. Nennt mich mit dem alten vertrauten Namen. Sprecht von mir ebenso unbeschwert wie sonst auch. Ändert euren Ton nicht. Tragt keine feierliche oder traurige Miene zur Schau. Lacht, wie wir immer über die kleinen Späße gelacht haben, über die wir uns gemeinsam gefreut haben. Spielt, lächelt, denkt an mich, betet für mich. Laßt euch meinen Namen stets so vertraut sein, wie er euch früher war. Er soll leichthin ausgesprochen werden, ohne die leisteste Spur eines Schattens darauf.


 

 

Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung
in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Dietrich Bonhoeffer


Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein und nehm ich den in acht
so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius


Ich werde jenseits des Todes leben und ich werde in euren Ohren singen,
auch wenn die ungemessene Woge der See mich zurückträgt zur unermesslichen Tiefe
des Meeres.
Ich werde an eurer Tafel sitzen, doch ohne einen Körper, und ich werde mit euch auf die Felder gehen als unsichtbarer Geist. Ich werde zu euren Feuerstellen kommen als ungeseh’ner Gast.
Der Tod verändert nichts außer den Masken, die unsere Gesichter bedecken.
Der Holzfäller wird auch dann ein Holzfäller sein, der Bauer ein Bauer, und der, der sein Lied dem Wind gesungen, wird es auch den Sphären singen.


Kalil Gibran, Im Garten des Propheten


 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sterne in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke


 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter wicht, blüht jede Lebensstufe,
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebenrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln und uns engen,
er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen-senden.
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herr, nimm Abschied und gesunde!

Auszug aus "Stufen" von Hermann Hesse

 


 

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur.
Doch mit dem Tod der ander muss man leben.
Mascha Kaleko