• erstellt 14.10.2014
  • aktualisiert 16.04.2015

Gemeindekonzeption

Konzeption der Ev. Kirchengemeinde Siegburg 

Einleitung
 
Lange vor dem landeskirchlichen Auftrag von 2001 an alle Gemeinden, eine Gemeinde-Konzeption zu erstellen, hat sich das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Siegburg mit diesbezüglichen Fragestellungen befasst.

Dies geschah auf zweifache Weise:
 
  1. Die gemeindliche Praxis wurde reflektiert und gewichtet unter dem Gesichtspunkt der Neubesetzung einer Pfarrstelle und den Kriterien für einen geeigneten Kandidaten/eine Kandidatin. (dies war auch eine der Ausgangssituationen im Proponendum „Visionen erden …“)
  2. Die Erstellung eines Leitbildes für die Kirchengemeinde
 
Beide Prozesse dauerten jeweils mehrere Jahre (überlappend) und das Presbyterium hat sich in ihrem Verlauf externer Beratung durch Moderatoren bedient sowie mehrere Klausurtage durchgeführt z.T. mit den Mitarbeitenden der Gemeinde.
 
Diese Eingangsbemerkungen machen deutlich, dass Erstellung und Reflexion der gemeindlichen Praxis hinsichtlich einer Konzeption in unserer Gemeinde nicht genau den Pfaden des Proponendums folgten, jedoch seinem Anliegen und seiner Methodik.
 
 
zu 1.   Reflexion der gemeindlichen Praxis
 
1.1.     Struktur der Kirchengemeinde und Statistik
 
Siegburg ist eine Stadt mit rund 43.000 Einwohnern. Etwa 25% der Bevölkerung ist evangelisch, während die stärkste Konfession der Katholizismus ist und über breite Verbindungen in die Politik, die Verwaltung und das Vereinswesen verfügt.
Siegburg ist Kreisstadt, hat also eine lokale Zentrumsfunktion für das Umland, auch wenn Köln und Bonn als größere Städte recht nahe liegen.
 
Die evangelische Kirchengemeinde Siegburg existiert seit 185 Jahren (1829). Sie ist damit auch die "Mutterkirche" für die evangelischen Gemeinden in den Nachbarstädten und Orten. Auf dem Stadtgebiet selbst gibt es aus den Zeiten des rasanten Gemeindewachstums zwei evangelische Kirchengemeinden (Siegburg und Siegburg-Kaldauen), deren Grenze die BAB A3 ist.
Zur evangelischen Kirchengemeinde Siegburg gehören 6.620  (2013) Gemeindeglieder mit Haupt- und 306  (2013) mit Nebenwohnsitz. Die Zahl der Gemeindeglieder ist in den letzten 10 Jahren praktisch gleich geblieben. 
 
Pro Jahr gibt es 70 - 80 Taufen, 40 - 50 Konfirmierte, 15-20 Trauungen sowie 60-70  Bestattungen. Rund 10 Aufnahmen stehen jährlich ca. 70 Austritte gegenüber. Auch diese Zahlen sind weitgehend stabil ohne eindeutigen Aufwärts- oder Abwärtstrend.
 
Die Kirchengemeinde hat zwei volle und eine dreiviertel Pfarrstelle, zwei Kirchen, drei  regelmäßige Gottesdienststätten (davon eine im Ev. Altenzentrum), zwei Gemeindehäuser, eine  Kindertagesstätte (seit 2009 zertifiziertes Familienzentrum) mit 40 Plätzen (davon 12 U3-Plätze) und entsprechendem Personal, eine volle  Stelle in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, eine haupt- und eine nebenamtliche Stelle  in der Kirchenmusik, zwei Verwaltungskräfte, zwei  hauptamtliche Küster und drei  Reinigungskräfte in Teilzeit.
Die Zahl der Ehrenamtlichen beträgt zwischen 150-200 in sehr unterschiedlichen Abstufungen der Mitarbeit.
 
Das Presbyterium setzt sich aus 12 Presbyterinnen und Presbytern, 3 Mitarbeiterpresbyterstellen sowie den 3 Pfarrstelleninhabern zusammen. Es existiert eine Gemeindesatzung, die den insgesamt 8 Ausschüssen Aufgaben und Kompetenzen zuordnet. Ausschüsse existieren für die Arbeitsbereiche Bau, Personal, Finanzen, Diakonie, Gottesdienst, Theologie und Kirchenmusik, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen  Öffentlichkeitsarbeit und Ökumene.
 
Im Rahmen der Neubesetzung der Pfarrstelle 2011 wurde eine Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Siegburg-Kaldauen vereinbart, so dass die 2. Pfarrstelle zu 75% in Siegburg und zu 25% in Siegburg-Kaldauen verankert ist.
Seit 2012 ist die Kirchengemeinde zusammen mit der Ev. Kirchengemeinde Siegburg-Kaldauen, der Katholischen Kirchengemeinde St. Servatius und der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde (Christusgemeinde) in der ACK Siegburg verbunden.
 
 
1.2      Schwerpunkte der pfarramtlichen Arbeit
 
In unserer Kirchengemeinde wurde neben den übrigen pfarramtlichen Aufgaben  seit ca. 1982 eine Schwerpunktbildung in den Aufgabenbereichen Kasualarbeit und Konfirmandenarbeit praktiziert. Seit ca. 1991 ist als dritter Schwerpunkt der Besuchsdienst dazu gekommen. Jeder Aufgabenschwerpunkt war somit  einem Pfarrstelleninhaber zugeordnet. 
 
Die Schwerpunktbildung wurde aufgrund personeller Veränderungen und einer langjährigen Pfarrstellenvakanz mit abschließender Neubesetzung der Pfarrstelle (2011) für den Aufgabenbereich der Kasualien aufgehoben. Damit wurde sowohl der bleibenden Aufgliederung in drei Gemeindebezirke (z.B. im Blick auf Besuchsarbeit) und dem Bezug der Gemeindeglieder zu ihren Bezirkskirchen Rechnung getragen als auch die mögliche Kontinuität seelsorglicher Begleitung in allen Phasen des Lebenszyklus durch den jeweiligen Pfarrer gestärkt.
 
 
zu 2.: Das Leitbild der Evangelischen Kirchengemeinde Siegburg
 
2.1.        Das Leitbild: Grundsätzlicher Teil
Die Anfänge gehen zurück auf eine Klausurtagung von Presbyterium und Mitarbeiterschaft im Oktober 1999. Dort haben alle Mitarbeitenden nach Arbeitsbereichen getrennt zunächst ihr Selbstverständnis und die Leitlinien ihrer Arbeit formuliert.
Darauf aufbauend  begann im Presbyterium die Diskussion um eine theologische Standortbestimmung für den grundsätzlichen Teil des Leitbildes, der nach etwa einjährigem Diskussionsprozess als Entwurf verabschiedet wurde. Dieser Entwurf wurde dann zunächst mit den haupt- und nebenamtlich Mitarbeitenden reflektiert und diskutiert, später im Kreis von Ehrenamtlichen und Gemeindegruppen.
In einer Gemeindeversammlung wurde er schließlich vorgestellt und danach im Jahre 2001  in folgender Form als verbindlich beschlossen:
 
Leitbild der Evangelischen Kirchengemeinde Siegburg
Grundsätzlicher Teil
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“
 
Dieser Satz des Römerbriefs (Kapitel 15, Vers 7) fasst das Anliegen des christlichen Glaubens zusammen: Gott nimmt den Menschen an, wie er ist, ohne Ansehen seiner Leistungen oder Schwächen. Daraus folgt, dass wir unsern Mitmenschen mit ebensolchem Respekt und mehr noch, mit Nächstenliebe begegnen wollen.
Die Evangelische Kirchengemeine Siegburg steht für die Überzeugung, dass für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft Leben besser gelingt, wenn sich Menschen als Kinder Gottes begreifen und einander zugestehen, dass sie von Gott mit gleicher Würde - Gottesebenbildlichkeit – ausgestattet sind.
Die Evangelische Kirchengemeinde Siegburg will das Vertrauen in Gottes Gegenwart und Zuwendung stärken, Menschen auf der Suche nach Glauben Anregungen geben und so helfen, Spuren Gottes im Leben zu entdecken. Es ist ihre Aufgabe, die Menschen immer wieder daran zu erinnern, was ihnen Halt, Sinn und Trost gibt.
Gott hat die Menschen zur Freiheit berufen (vgl. Galater 5, Vers 1). Die Freiheit im Glauben und im Miteinander gelingt, wenn wir uns an den Worten und Taten Jesu orientieren, wie sie in der Bibel überliefert sind. Jesus hat Menschen miteinander und mit sich selber versöhnt und zu neuen Schritten ermutigt, weg von Angst und Zwängen; er hat zur Nächsten-, ja zur Feindesliebe aufgerufen und Wege des Friedens gewiesen. Er hat dabei aber ebenso gezeigt, dass das nicht geht, ohne einander auch die Wahrheit zuzumuten und Konflikte und Schmerzen auszuhalten. Seine Beispielgeschichte vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10) ist Sinnbild für Hilfsbereitschaft und Einsatz für Benachteiligte.
Die Zuwendung Gottes gilt nicht nur dem Menschen, sondern der ganzen Schöpfung. Daraus folgt, dass die Kirchengemeinde Siegburg in ihrem Handeln immer auch die Auswirkung auf die Umwelt im Auge behalten muss.
Die Evangelische Kirchengemeinde möchte Orientierung anbieten. Sie will ihre Botschaft im Gottesdienst deutlich machen und auch in die weitere Öffentlichkeit bringen. Ihre Hauptaufgabe ist die Stärkung und Ermutigung der Menschen, aus der Freiheit des Glaubens zu leben und sich im Alltag als Christen zu bewähren. Dazu gehört sowohl die Seelsorge und Diakonie für Einzelne wie auch der Einsatz in gesellschaftspolitischen Fragen im regionalen Umfeld (wie z. B. Erhalt des freien Sonntags oder Hilfe für Flüchtlinge.) Als einladende Gemeinde wirkt sie dabei nach innen wie nach außen.
 
 
2.2. Umsetzung des Leitbildes: Profilelemente
 
In einem zweiten Diskussionsgang wurde dieser grundsätzliche Teil konkretisiert und folgende Profilelemente - bezogen auf die einzelnen Gemeindezentren bzw. Aufgabenbereiche – formuliert.
 
 
Auferstehungskirche / Gemeindezentrum Annostraße
 
Der Kernsatz des Leitbildes „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat“ wird im Gemeindezentrum Auferstehungskirche auf zwei formalen Ebenen umgesetzt, und zwar als Stadtkirche und als Bezirkskirche.
 
Dazu gehören folgende Profilelemente:
 
1.    Offene Kirche / Stadtkirchenarbeit
-      Öffnung der Kirche (wochentags, von dienstags bis samstags)
-      Offenheit gegenüber Menschen aller Glaubensrichtungen
-      Dialogbereitschaft/-fähigkeit
-      Offenheit für Menschen über die Stadtgrenzen hinaus
-      Dach für andere Gruppen wie AA, Johanniter, Asyl-/Flüchtlingsinitiative, Aktive Senioren
-      Kreiskirchliche Aktivitäten
-      Dialog von Kirche und Kunst (Ausstellungen)
-      Buchladen mit christlicher Literatur u.a.
-      Gesprächsangebote durch regelmäßige Präsenz Ehren- oder Hauptamtlicher
 
2.    Angebote für unterschiedliche Zielgruppen
-      Musik (Kantorei, Gospelchor, Aufführungen …)
-      Jugend (Gruppen, Gespräche, Teestube, Freizeit, offene Arbeit)
-      Konfirmanden-/Projektarbeit
-      Senioren
-      Kinder (Kindertagesstätte, Spielgruppen, Freizeit)
-      Kunst + Kultur (z.B. Ausstellungen)
-      Ökumenische Gesprächskreise und Projekte (z.B. Nacht der Kirchen)
-      Meditation
 
3.    Differenzierte gottesdienstliche Angebote
-      Gottesdienste unter Beteiligung unterschiedlicher Gruppen
(Konfirmanden- und Schulgottesdienste, Kinderchorprojekte, u.a.)
-      Familien- und Taufgottesdienste
-      Gemeindefeste
-      Reisesegengottesdienst
-      Osternacht
-      Ökumenische Gottesdienste
-      Gottesdienste in neuer Gestalt mit Symbolen
(Kreuzweg, Adventsgarten u.a. etc.)
-      Thematische Gottesdienste aus besonderem Anlass (Bibelwoche, Israelsonntag, Jahrestage, Jubiläen, Fernsehgottesdienst u.a.)
 
 
4.    Persönliche Bindungen/Beziehungspflege
-      Feier des Abendmahls
-      Feiern im Anschluss an einen Gottesdienst
-      Gelebte Gemeinschaft
-      Seelsorge
-      Kasualien
 
Formal sind diese Profilelemente nur möglich durch eine unterstützende und einladendeAtmosphäre im Blick auf Umgang und Räumlichkeiten, Motivation und Empathie der Hauptamtlichen, terminliche Flexibilität, Offenheit, Zusammenarbeit, Toleranz, Lebensnähe, Beteiligungsmöglichkeiten, Konfliktfähigkeit, Identifikation, Vertrauen und gegenseitige Akzeptanz.
 
Mit dem 2013 abgeschlossenen Umbau und Ausbau des Foyers der Auferstehungskirche sowie der Erweiterung und Umgestaltung des Kirchplatzes hat das Presbyterium eine wesentliche Grundlage geschaffen, um die Profilelemente als Stadtkirche im Zentrum Siegburgs weiter zu stärken.
 
 
Gemeindezentrum Erlöserkirche
 
Der Kernsatz des Leitbildes „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat“ wird im Gemeindezentrum Erlöserkirche insbesondere durch drei Profilelemente mit Leben gefüllt: Persönliche Beziehungen, Familienkirche und Eigenverantwortung.
 
1.    Persönliche Beziehungen
-          Gemeinschaft spüren und erleben
-          Unterschiedliche Interessen ansprechen und Menschen einbeziehen
-          Persönliche Kontakte und Nähe
-          Sprachfähigkeit des persönlichen Glaubens stärken
-          Freiräume lassen, den eigenen Glauben zu entwickeln
-          Alltägliche Begegnungen
-          Soziale Netze schaffen
 
2.    Familienkirche
-          Begegnung von Familien mit Kindern
-          Zuhause für Große und Kleine
-          Kindertagesstätte / Familienzentrum als Teil der Gemeinde erleben
 
3.    Eigenverantwortung
-          Gemeinsame Verantwortung in der Organisation des Gemeindezentrums
-          Gruppenübergreifender Abstimmungs- und Erfahrungsaustausch
 
 
Gestaltungsorte und - formen  dieser drei Profilelemente sind: Krabbelgruppen, Tauffeiern, Kindertagesstätte, Kleinkindergottesdienste, Kindergottesdienst, Schulgottesdienst, Kindergruppe, Konfirmandengruppe, Familiengottesdienst, Waldgottesdienst, thematische Gottesdienste, Chor Cantabile, Posaunenchor, Gesprächskreis für Frauen, Turnen, Nähen, Musizieren , Behindertentreff, Seniorentreff, Ausflüge, Feiern und Feste sowie Beziehungen zum Umfeld (Schulen, Ökumene).
 
 
 
Abschließende Bemerkungen:
 
Seit Beginn der Konzeptionsentwicklung  wurde kontinuierlich weiter an der Umsetzung des Leitbildes gearbeitet. So wurde z.B. im Bereich Öffentlichkeitsarbeit ein Logo für die Kirchengemeinde entwickelt und eingeführt, das dem Leitbild entspricht und für eine einheitliche Präsenz der Kirchengemeinde intern und in der Öffentlichkeit sorgt. Darüber hinaus wird die Internetpräsenz der Kirchengemeinde regelmäßig aktualisiert; ein Newsletter ist in Planung. Das Filmprojekt "Evangelisch in Siegburg" macht seit 2014 die Geschichte und das Leben der Kirchengemeinde einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
 
Für die Arbeit im Presbyterium ist uns wichtig, anhand des Leitbildes klare Ziele und gemeinsame Perspektiven  für unsere Arbeit zu formulieren und die Prioritäten zu überprüfen. Dazu nimmt sich das Presbyterium in jährlichen Presbyterrüsten Zeit.
Leitende Fragen sind dabei:
  • Welche Visionen haben wir?
  • Was ist konkret wichtig für unsere Gemeinde?
  • Was wollen wir ausbauen? 
  • Wen wollen wir besonders ansprechen?
  • Worauf wollen wir uns konzentrieren unter Berücksichtigung der in Zukunft knapper werdenden Finanzen?? 
  • Welche Aufgaben sollen angesichts der personellen und zeitlichen Ressourcen von den Pfarrern und/oder hauptamtlichen Mitarbeitenden vorrangig wahrgenommen werden?
 
Auf diese Weise werden Gemeindekonzeption und Leitbild auf unterschiedlichen Ebenen beständig  weiter entwickelt und kommuniziert.