• erstellt 14.10.2014

Stadtkirchenkonzeption

Konzeption der Stadtkirchenarbeit
an der Ev. Auferstehungskirche Siegburg
 
 
Zur Lage und Geschichte der Auferstehungskirche
 
Die Auferstehungskirche ist die Hauptkirche der Ev. Kirchengemeinde Siegburg.
Sie wurde 1957 nach Zerstörung der alten Stadtkirche von 1879 an gleicher Stelle errichtet.
 
Die Auferstehungskirche ist Identifikationspunkt der Evangelischen Kirche der Region. Siegburg ist „Muttergemeinde“ aller umliegenden Kirchengemeinden, die erst in der Nachkriegszeit nach und nach selbständig wurden
Die Region umfasst somit Siegburg / St. Augustin / Lohmar bis an die Grenzen nach Troisdorf und Hennef. 
 
Die Stadt Siegburg hat als Kreisstadt Zentrumsfunktion mit dem Sitz zentraler Einrichtungen und Verwaltungen. Sie ist Verkehrsknotenpunkt mit Omnibus- und ICE-Bahnhof in unmittelbarer Nähe der Auferstehungskirche. Die Wege zum Markt und zur Abtei führen z.T. am Gemeindezentrum vorbei. Damit verbunden kann sie von zahlreichen Besuchern für Kultur- und Einkaufsbesuche aus der Region frequentiert werden, wenn es adäquate Angebote und eine einladende Situation gibt.
Bei der Neugestaltung des S-Carré in unmittelbarer Nachbarschaft wurden die Sichtachsen der Verkehrsführung auf das Portal der Kirche ausgerichtet.
 
Die Konzeption der Auferstehungskirche bei ihrer Erstellung folgt dem Gedanken, Zelt Gottes auf Erden, Hütte Gottes bei den Menschen zu sein (vgl. Offenbarung d. Johannes). Sie sucht darin ihrem Auftrag gemäß die „Nähe zu den Menschen“.
Sie soll nach dem Willen der Gemeinde bzw. ihres Presbyteriums immer ein Ort zeitgemäßer Verkündigung sein. Dazu ist die Kirche mehrfach verändert worden. Aus den starr zur Altarwand ausgerichteten Bänken wurden flexible Stuhlreihen. Bei dem gravierendsten baulichen Eingriff 1991/1992 wurde der gesamte Altarbereich neu gestaltet und vergrößert: Der „Hochaltar“ wurde in die Mitte der Gemeinde geholt. Die Altarwand erhielt durch die Steinsäulen eine Strukturierung. Der Anstrich der Wände, der in den 70iger Jahren stark farbig war (gelbe Wände, rote Säulen, ein grüner Vorhand hinter dem Kreuz), wurde zurückgefahren und neutral gestaltet, denn vorrangig sollten die großartigen Fenster „Farbe in die Kirche bringen“. Ein Lärchenholzparkettboden sorgt für eine angenehme Atmosphäre. War die Neugestaltung des Kircheninnenraums 1991/1992 zu Beginn auch umstritten, so hat sich nicht nur die Akzeptanz durchgesetzt, sondern die Kirche wird heute in ihrem Innenraum als sakraler Bau wahrgenommen und geschätzt.
Bald nach der Umgestaltung hat das Presbyterium die Entscheidung getroffen, die Kirche wochentags geöffnet zu halten und Menschen zu stiller Andacht, zum Gebet oder auch einfach nur zur Ruhe kommen zu lassen.
Passend dazu gab es zunehmend gestaltende Angebote, die sich ausdrücklich an Menschen über den Kreis der Gemeinde hinaus richteten: (Kreuzwegstationen, Ausstellungen, Konzerte/Aufführungen, Ostergarten u. ä.).
Hier liegen die impliziten Wurzeln einer Stadtkirchenarbeit, ohne dass es dazu im Vorfeld eine ausformulierte, schriftliche Konzeption gab. 2003 bekam die Kirche das bundesweite Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“ verliehen.
 
In dem 2004 beschlossenen Leitbild der Kirchengemeinde, das über mehrere Jahre intensiv und in großer gemeindlicher Breite beraten wurde, wurde die Stadtkirchenarbeit zum ersten Mal im Gesamtkonzept gemeindlicher Aufgaben explizit als eigener Arbeitsbereich verankert.

Der Kernsatz des Leitbildes „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat“ wird im Gemeindezentrum Auferstehungskirche auf zwei formalen Ebenen umgesetzt, und zwar als Stadtkirche und als Bezirkskirche.
 
Dazu gehören folgende Profilelemente (Auswahl)
-          offene Kirche (wochentags geöffnet, offen für Menschen aller Glaubensrichtungen, offen über die Stadtgrenzen hinaus, kreiskirchliche Aktivitäten, Dialog von Kirche, Kunst und Kultur, z.B.: durch Ausstellungen)
-          Angebote für unterschiedliche Zielgruppen
-          differenzierte gottesdienstliche Angebote unter Beteiligung unterschiedlicher Gruppen
 
Formal sind diese Profilelemente nur möglich in einladend gestalteten Räumlichkeiten, die eine Atmosphäre in gegenseitigem Respekt und Offenheit fördern. Dazu gehört auch Lebensnähe, Identifikation und Toleranz.
 
 
Die Auferstehungskirche als Pfarrkirche /Bezirkskirche
Die Auferstehungskirche ist der Gottesdienstort für zwei Gemeindebezirke (Mitte / Süd) mit zusammen ca. 4500 Gemeindegliedern und gegenwärtig zwei Pfarrstellen.
Es gibt ein differenziertes Gottesdienstangebot (z.B. Oster- und Christnächte, Reisesegengottesdienste, Nacht der Kirchen, Konfirmanden-, Familien- und Taufgottesdienste u.v.m.), das sich an unterschiedliche Zielgruppen richtet.
Nach den sonntäglichen Gottesdiensten besteht die Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch beim Kirchenkaffee und zum Besuch des Buchladens im Foyer.
Hier werden aber nicht nur die sonntäglichen Gottesdienste gefeiert, sondern die Kirche bekommt im Kontext der persönlichen Lebensgeschichte eine herausgehobene Bedeutung, die zu würdigen ist.
Hier haben Menschen geheiratet, wurden die Kinder getauft und konfirmiert, die Silber- oder Goldhochzeit gefeiert und immer wieder werden Verstorbene mit einem Trauergottesdienst in der Auferstehungskirche verabschiedet.
In jedem Fall findet hier das jährliche Totengedenken zum Ewigkeitssonntag statt.
Dementsprechend wird das Andenken an die verstorbenen Gemeindeglieder durch Festhalten ihrer Namen auf kleinen Baumscheiben aufrechterhalten. Zum Ewigkeitssonntag werden die Namen verlesen und die Holzscheiben im darauffolgenden Osterfeuer verbrannt.
 
Die Würdigung der Konfirmanden erfolgt durch die Ausstellung des jeweiligen Symbols der Konfirmation zwischen Vorstellungsgottesdienst und Konfirmation.
So sind auch die Namen der Konfirmanden für einige Wochen in der Kirche präsent.
Diese Gestaltungselemente fördern als symbolische Verdichtung die Bindung an die Auferstehungskirche auch nach einem evtl. Fortzug aus der Gemeinde (insbesondere zum Konfirmationsgedächtnis und zu Silber- oder Goldhochzeit als einem besonderen Datum im Lebenskreis).
 
Eine hohe Bedeutung kommt den ökumenischen Schulanfänger- und Entlassgottesdiensten zu. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist sehr hoch. Viele betreten zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine Kirche. Für eine einladende Atmosphäre und ein ansprechendes gottesdienstliches Angebot in Kooperation mit den beteiligten Schulen ist Sorge zu tragen.
Alle Aspekte entsprechen dem Element „Beziehungspflege“ aus dem Leitbild. Sie setzen positive Impulse und bauen Bindung auf.
 
 
 
Die Auferstehungskirche als Stadtkirche
 
Neben ihrer Funktion für die Gemeindebezirke kommt der Auferstehungskirche durch ihre Innenstadtlage eine besondere Bedeutung für die Stadt und die Region zu.
Sie ist Ort der Spiritualität, der Kommunikation und der Kultur (Ausruhen, Begegnen, Stärken). Dazu ist ein niederschwelliger und einladender Zugang ebenso erforderlich wie ein differenziertes und attraktives Angebot.
 
Mit dem Neubau und der Erweiterung des Foyers sowie der Umgestaltung des Kirchplatzes wurde 2013 ein repräsentativer Eingangsbereich geschaffen, der Kirche inmitten der Stadt wieder präsent und erkennbar macht.

Das Leitbild mit seiner Fokussierung auf die Annahme des Menschen durch Gott ohne Vorbedingungen muss sich in den Angebotsformaten niederschlagen. Zielgruppe der Angebote sind nicht nur die eigenen Gemeindeglieder, sondern explizit auch die Bürgergemeinde (die Stadt), Besucher aus der Region, aber auch Menschen, die in der Nachbarschaft z.B. ihren Arbeitsplatz haben.
 
In der Kirche gibt es für das stille Gebet einen besonderen Rückzugsraum für Meditation und Andacht.
 
Als besonderes Merkmal gibt es an der Auferstehungskirche einen kirchenmusikalischen Schwerpunkt: Zwei Chöre (Kantorei und Gospelchor) sowie Orgelkonzerte und konzertante Aufführungen von Solisten und/oder kleinen Ensembles bieten das ganze Jahr über           ein ansprechendes, hochwertiges Programm. Den Jahresplan erstellt die Kantorin. Zum Angebot gehört auch ein großes Konzert mit Orchester im 1-2 Jahres-Rhythmus. Dieses kirchenmusikalische Angebot wird nicht nur von Gemeindegliedern, sondern von Interessenten aus der ganzen Region wahrgenommen.
 
Zu den weiteren Angebotsformaten gehören z.B.
-          Meditationsangebot
-          Passions-/Adventsandacht
-          Taizé-Gebet / Friedensgebet
-          Musik
-          Orchesterkonzerte
 
 
Diese Angebote innerhalb der wochentags geöffneten Kirche werden flankiert durch
 
-          Buchladen mit christlicher Literatur und Devotionalien (z.B. Taufkerzen, Kreuze u.a. ; regelmäßige Öffnungszeiten und Sonntags nach dem Gottesdienst)
-          Regelmäßige Präsenz (PfarrerIn / Ehrenamtl.) in der Kirche als niederschwelliges Gesprächsangebot
-          Kirchenführungen
-          kulturelle Veranstaltungen (Lesungen, Vorträge, externe Konzerte)
-          Ausstellungen
-          Kleine Bewirtung durch Heiß-/Kaltgetränke wie zum Kirchenkaffee
-     die Option für eine Kircheneintrittsstelle wird angestrebt
 
Stand: September 2014